Meran Weekend Getaway – ein Reisebericht mit dem 2015 VW Touareg

Aug 28 • 1650 Views

Meran Weekend Getaway – ein Reisebericht mit dem 2015 VW Touareg

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Bild 1: Entlang dem Zürichsee geht’s Richtung Berge

Wir beäugen uns gegenseitig kritisch, keiner wagt den ersten Schritt zu tun. Ab und an grummelt der eine verhalten auf, aber der grosse Wutausbruch bleibt vorerst noch aus. Wir sind zu dritt in freier Wildbahn. Drei Wölfe auf der Pirsch. Wobei Wölfe hier wohl der falsche Vergleich sind – wir sind eher Bären, Kodiak Bären. Viel haben wir voneinander gehört, doch nun kreuzen sich hier also unsere Pfade. Hier, das ist die Verzweigung Oensingen, zwischen Bern und Zürich gelegen, wir, dass sind ein Range Rover Sport, ein Audi Q7 und meine Wenigkeit im 2015er VW Touareg. Kaum sieht der VW eine Lücke im Kolonnenverkehr, setzt ein Donnergrollen ein und sofort ist das Wohnzimmer auf vier Rädern auf und davon.

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Bild 2: Die Autofahrer Bibel „Curves“

Für ein Wochenende haben mich die Jungs von V12 Media hinter das Steuerrad des neuens Touaregs gelassen. Mit der 3 Liter Turbodiesel Version, mit allen nur möglichen Paketen und, wichtig, einem vollen Tank, geht’s für ein verlängertes Wochenende – Neudeutsch ein „Weekend Getaway“ ins Südtirol, genauer nach Meran.
Hin kommen wir über Zürich – Davos – Flüelapass – Zernez – Ofenpass – Santa Maria im Val Müstair – Umbrailpass – Stilfser Joch. Die Inspiration dazu kommt aus der Auto Bibel „Curves“ und ist ursprünglich wohl eher für flinke Sportwagen wie Caterham, Lotus und dergleichen gedacht. So lacht Reto von den V12 Jungs auch am Telefon: „Stilfser Joch? Geil, das ist verdammt eng – du kriegst den neuen Touareg von uns“. Challenge accepted…

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Bild 3: „His and hers“ – Rosa mochte ich schon immer

Nun schweben meine bessere Hälfte und ich also an einem sonnigen Freitag los in Richtung Bündnerland. Schweben oder gleiten, dies sind wohl die ersten Wortassoziationen welche einem beim VW in den Sinn kommen. Oder eben, wie in der Überschrift festgehalten: ein Wohnzimmer auf Rädern. So findet auch unser Gepäck in diesem Raumwunder mühelos Platz – wir wandern ja auch nicht aus. Über en Flüelapass ist unser Wagen dann das erste Mal auch gefordert. Erstaunlich agil gleitet man über die noch sehr zahmen Kehren, lediglich beim Abstieg offenbart sich in den Kurven die doch beachtliche Tonnage von 2.2 Tonnen. Die Trägheit der Masse halt, gäll.

Kurz nachdem das Val Müstair per Santa Maria passiert ist, wird es der Begleitung auf dem Beifahrersitz etwas flau in der Magengegend. Die Federung in zwei Meter Höhe scheint dann nach dem Umbrailpass doch etwas zuviel des Guten zu sein. Wir legen eine Pause kurz nach dem Stilfser Joch ein.

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Bild 4: Kurz nach dem Ofenpass

Spätestens nach dem Top Gear Special „Driving Heaven“ ist der Passo dello Stelvio, wie er auf Italienisch heisst, einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Dies bewahrheitet sich dann auch auf der Passhöhe, die, gemessen an der Volksfest Stimmung, an die Holländerkurve während der Alpe d’Huez Etappe an der Tour de France erinnert. Wir fahren deshalb noch 100m weiter und legen unsere Rast kurz unterhalb dieses Jahrmarktes ein. Wir wollen uns so schnell als möglich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen und halten also „Brotzeit“ ab, wie wir es über das Südtirol gelesen haben.
Frisch gestärkt und mit dem Magen der Damenschaft einigermassen beruhigt, geht es danach weiter talwärts. Die Serpentinen nach Trafoi hinunter erweisen sich dabei zu unserem Erstaunen als viel geräumiger als im Vorhinein gedacht. Der Lack, genauer der „Deep Black Perleffekt“, dankt es uns dann auch mit fortwährendem Funkeln, das wir ihm dermassen Sorge getragen haben. Die Schadenfreude von Reto erweist sich als unbegründet.

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Bild 5: Brotzeit muss sein

Nachdem wir die Strada del Passo dello Stelvio, die Passstrasse, bei Prad am Stilfserjoch hinter uns lassen, schlängeln wir uns durch endlos anmutende Apfelplantagen das Vinschgau nach Meran hinab. Der Verkehr ist dabei ordentlich: Deutsche Camper, Italienische Bauern auf ihren Plantagentraktoren, Schweizer Sportwagen Clubs und überall die Motorradfahrer aus allen Herren Ländern. Es ist offensichtlich, das Südtirol ist nicht nur uns eine Reise wert.

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Bild 6: Blick vom Stilfserjoch Richtung Süden

Nach gefühlten 10 Stunden Autokorso durch die Talsohle Richtung unserer Zieldestinationen, erreichen wir Meran. Unsere Unterkunft, die Villa Bergmann, liegt mitten in der Altstadt der mittelalterlichen Ortschaft. Bei der Einfahrt durch die – typisch italienisch – sauschmalen Gassen, sterbe ich dann am Steuerrad auch mehrmals, wenn im Cockpit alle Kollisionssensoren unisono pfeifen, als hätten Scooter eine neue Single draussen.
Hier offenbart sich nun das Manko eines solchen SUV’s, wobei dies wohl auch der einzige Kritikpunkt an unserem fahrbaren Untersatz ist. Unsere Ahnen hätten die Gässchen definitiv breiter gebaut, hätten sie gewusst, welch wunderbares Gefährt hier einst Einzug halten würde.

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Bild 7: Passt wunderbar ins Stadtbild: der VW Touareg

Nachdem dann die Herberge für die nächsten Tage gefunden und die Macchina säuberlich im nahen, abgesperrten (und vor allem geräumigen) Parkplatz versorgt ist, gönnt sich der Pilot erst mal ein hart verdientes kühles Blondes. Beim sinnieren über die erlebte Fahrt flickern einige Bilder am inneren Auge vorbei, unter anderem die unglaublichen Spurts aus dem Stand, zu welchem das Dieselaggregat in der Lage ist. Das erstaunlich gute Handling in den engen Kurven über die vier Pässe. Das entspannte Reisen, auch bei einer Fahrt über knapp sechs Stunden. Und ganz spannend: bei der Fahrt zum nahegelegen Parkplatz, welche uns mitten durch die Fussgängerzone der Altstadt von Meran führt, hegt man seitens der Lokalbevölkerung gegenüber dem Touareg keinen Groll. Anders hätte es wohl mit dem Anfangs genannten Range Rover Sport ausgesehen – diese sind vielen Zeitgenossen ein Dorn im Auge. Mit dem VW allerdings? Meine Mitfahrerin hat es auf den Punkt gebracht: „Das ist toll mit diesem Wagen: man hat allen Komfort eines SUV’s, fliegt aber wie unter dem Radar“. Der Touareg ist Deutsches Understatement durch und durch.

Von Julian Thorner

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Stilfser Joch

Das Stilfser Joch (auch Stilfserjoch, italienisch Passo dello Stelvio) ist mit 2757 m s.l.m. der höchste Gebirgspass in Italien und nach dem Col de l’Iseran der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass der Alpen. Das Stilfser Joch verbindet Bormio im Veltlin, Lombardei, mit Prad im Vinschgau, Südtirol. Auf der Westseite mündet auf 2503 m die über den Umbrailpass kommende Straße von Santa Maria ein. Ebenso auf dieser Seite durchfährt man etwas tiefer gelegen mehrere Kurztunnels. An der Ostrampe, die ins Trafoital hinabführt, kann man in Gomagoi auf 1260 m in das Suldental nach Innersulden abzweigen. Auf 2188 m liegt auf der Ostseite das Berghotel Franzenshöhe. Die Passstraße, Teil der Strada Statale 38 dello Stelvio, ist durchgängig asphaltiert und in der Regel zwischen Ende Mai und November für den Verkehr geöffnet. Die Westrampe von Bormio wird meist etwas früher für den Verkehr geöffnet. Während der kurzen Öffnungszeit herrscht auf dieser Straße starkes Verkehrsaufkommen, vor allem durch Tourismus- und Freizeitfahrten. So versammeln sich bei dem „Internationalen Treffen“ in der ersten Juliwoche jedes Jahr dort hunderte Motorradfahrer. Das Gebiet um den Pass bildet seit 1935 den Nationalpark Stilfser Joch.

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