Reisebericht Sizilien (Von Messina bis Catania)

Aug 17 • 630 Views

ostkueste-karte

Ferienzeit heisst auch Reisezeit. Meine Sommerferien habe ich dieses Jahr in der Hochsaison eingeplant: sehr intelligent, vor allem wenn man kinderlos ist.
Aber eben, einmal eingeplant kann man es auch nicht mehr ändern. Die Frage nach der Destination war dann auch extrem schwierig. In den ersten zwei Augustwochen sind Spanien und Portugal komplett überlaufen. Italien im Ferragosto, eigentlich auch eine blöde Idee. Ich hatte grundsätzlich zwei Bedingungen: Sonne und Meer, also musste es wohl oder übel in den Süden gehen. Fünf Tage vor der Abreise hatten wir uns endlich entschieden. Meine bessere Hälfte und ich waren zwischen Griechenland und Süditalien hin- und hergerissen. Dank dem Tipp meiner Eltern, die schon zwei Mal mehrere Monate durch Sizilien gereist sind, haben wir uns für die italienische Vulkaninsel entschieden. Flug nach Catania oder Palermo – die Wahl fiel auf Catania.
Mein Schatz hatte dann das glückliche Händchen und das Hotel Crystal Sea in Forza D’Agrò gebucht. Eine Stunde vom Flughafen Catania entfernt, in Richtung Messina.
IMG_5690
Logischerweise habe ich gleich für die ganzen zehn Tage ein Mietauto gebucht.
Von Basel ging es los, zwei Stunden Flug und wir sind wohlauf kurz unterhalb des rauchenden Aetna gelandet. Etwas länger ging es bis wir endlich unseren Mietwagen bekommen hatten. Bei „Sicily for Rent“ haben am 30. Juli wohl primär – nett ausgedrückt – weniger intelligente Personen ein Auto gebucht. Warum auch vorher informieren, wenn man die Person am Schalter mit Fragen löchern und alle anderen aufhalten kann? Eine russische Familie vor uns stand geschlagene 40 Minuten am Schalter. Naja, ich war trotzdem entspannt, gab es doch für 80 Cent einen grandiosen Kaffee am Automaten. Bella Italia, sogar am Automaten ist der Kaffee besser als bei uns.
Die Reise konnte dann doch losgehen. Ich hatte einen Fiat Panda gebucht (rund 400 CHF für zehn Tage) und einen Opel Corsa bekommen.
Schwein gehabt, dachte ich. Die sogenannten 70 PS Leistung meines 1.2 Liter Benziner stellten sich aber schnell als italienische Übertreibung dar. Aber clever von der Mietwagenfirma, drauf steht auch 14 PS (Cavalli), das weckt wenigstens nicht falsche Hoffnungen.
IMG_5803
Mit gefühlten 40 PS ging es dann von Catania Richtung Taormina zu unserem Hotel in Forza d’Agrò.
Wow, wow, wow. Hammer, das Hotel. Im Zimmer Ausblick aufs Meer, extrem nettes Personal am Empfang. So fühlten wir uns sofort zu Hause. Ein kurzer Blick auf den Pool liess uns erneut an der Intelligenz gewisser Leute zweifeln, die doch tatsächlich den Pool dem gerade mal 100 Meter entfernten Meer vorzogen. Wir haben uns jedenfalls auf die Socken gemacht in Richtung Meer. Und dieses mussten wir uns redlich verdienen: ein steiniger Abstieg und etwa 3000 Treppen. Kann man machen. Meine Flipflops waren jedenfalls kaputt. Auch solche Sachen gehören einfach zu Bella Italia.
IMG_5856
Aber gut, ich bin ja als Tessiner nicht nur der italienischen Sprache mächtig, ich kenne auch sowohl Nord- wie Süditaliener gut. Und für mich ist der Süden das wahre Italien. Dort haben die Italiener alle positiven Eigenschaften die wir Nordländer an ihnen schätzen: Essen, Familie, Freundlichkeit. Diese Werte werden uns die ganzen zehn Tage begleiten. Natürlich gehören dazu auch haarsträubende Fahrkünste, total abgefuckte Autos und eine gute Portion Chaos und Desorganisation. Das gehört dazu und man muss es einfach zu seinem Vorteil nützen können.
Den ersten Vorteil nutzte ich jeden Tag. Die weissen Parkplätze in den sizilianischen Orten sind nur für Anwohner, die blauen muss man bezahlen. Eigentlich logisch, dass im Dorf nur die Anwohner parkieren dürfen. Theoretisch natürlich. Ich habe den Italo rausgehängt, auf dem Motorradparkplatz neben dem kleinen Supermarkt geparkt und die Pannenblinker eingeschaltet. Problem gelöst, à la Italia.
Für drei Franken gab es zwei frischgemachte Sandwiches und ein paar Flaschen Wasser und ab ging es ans Meer. Nach dem ersten Tag und dem haarsträubenden Meeranschluss beim Hotel habe ich mich informiert und eine bessere Lösung gefunden.Der Geheim-Tipp kam vom netten Hotel Manager. Nur 300 Meter vom Hotel entfernt gibt es eine kleine Anfahrt mit Tunnel der direkt unter der Bahn zum Strand führt.
IMG_5839
Göttlich hier. Fast keine Touristen. Wenn überhaupt Gesellschaft, dann von Einheimischen.
IMG_5860
IMG_5747
Schon am ersten Tag lernte ich Vincenzo kennen. Ein pensionierter, ehemaliger Sozipolitiker aus Catania. Wie in den folgenden Tagen beim Coiffeur, im Restaurant oder einfach beim Früchte kaufen, die Sizilianer sind so was von aufgeschlossen und freundlich. Jeder wichtige Tipp, inklusiv der kleine private Strand kam von Einheimischen. Logisch gab es von Vincenzo auch eine politische Lektion über die katastrophalen Verhältnisse in Sizilien. Ich sagte Vincenzo, manchmal hätte ich lieber mehr Chaos bei uns und dafür diese traumhafte Kulisse vor den Augen.
Hier ein paar Tipps inkl. Ortschaften, die wir natürlich mit dem Auto besucht haben.

Messina
Absolut sehenswert mit dem Hafen und der schönen Shoppingmeile. Weniger schön war das Essen, da wir wie blinde Hühner eine Stunde rumgekurvt sind bis wir das erstbeste Restaurant genommen haben (gab es nur eines?). Naja, das war dann auch das einzige Mal in den ganzen Ferien, wo ich Fleisch und nicht Fisch gegessen habe.

Forza d’Agrò
Traumhafte kleine Ortschaft mit unglaublichem Ausblick auf das ganze Meer bis Kalabrien.
Mein Tipp: wenn ihr mehr als gefühlte 40 PS unter dem Hintern habt, geniesst die Hochfahrt mit ganz geilen Kurven. Der Aussichtspunkt da oben ist absolut sehenswert. Scheinbar auch die Restaurants, die haben wir aber nicht besucht.

Letojanni
Ein Traum, unser Lieblingsort (45 Kilometer südlich von Messina). Zwei Kilometer vom Hotel in Forza d’Agrò entfernt. Eine Kleinstadt mit allem was man braucht, natürlich direkt am Meer.
Tipp zum Essen:
IMG_5828
IMG_5795
Grundsätzlich nicht direkt am Meer. Wir waren fünf Mal im Restaurant Peperoncino. Die gegrillte Fischplatte sah jeden Tag anders aus und war ein Traum. Kosten: 18 Euro.
IMG_5829
IMG_5830
Parkplatz: Gratis direkt auf der Hauptstrasse, fünf Minuten zu Fuss ins Zentrum.
Es hat sogar italienische Fussgängerstreifen (BILD).
IMG_5862
IMG_5863
Strand: Sandstrand, gut mit Kindern aber eher wie in Rimini – das heisst: man ist nicht alleine.

Taormina
Taormina ist wohl das Schmuckstück an der Ostküste Siziliens. Natürlich recht touristisch. Den Strand schaut man sich am besten nur von oben an, weil total überlaufen. Shopping top, Essen naja (zu touristisch).

Giardini Naxos
Sehr touristisch. Ein Tip zum Essen: il Consiglio – lokale sizilianische Spezialitäten.
IMG_5858

Catania
Zehn Tage sind wenig, um ganz Sizilien zu sehen. Wir wollten unbedingt Catania sehen und haben uns so gegen einen Wanderung auf den Aetna entschieden. Das war ein Fehler. Ehrlich gesagt waren wir etwas geschockt, wie dreckig diese Stadt ist. Nach vier Stunden Fussmarsch durch das Zentrum sind wir dann auch geflüchtet. Vielleicht haben wir den falschen Tag erwischt, aber wenn ich man auf die Einheimischen hört, müsste man eher Palermo besuchen als Catania.

Fazit:
Eins ist mal klar: ohne Auto kann man eine Sizilien-Reise vergessen. Es gibt zwar einen Zug, aber die meisten Orte erreicht man nicht mit Bus und Zug. Manchmal gibt es auch Pannen wie hier im Bild, das liegt aber wie in diesem Fall an den unglaublichen Fahrkünsten der Sizilianer (logisch nicht von allen).
IMG_5855
Die Autobahn ist billig. Catania –Messina (+/- 100 Km) kosten etwa drei Euro. Der Zustand der Strasse ist ein anderes Thema und die wahnsinnigen Mit-Verkehrsteilnehmer haben sogar mir manchmal Angst gemacht.
Unser Corsa hat die 800 Kilometer über Stock und Stein sehr gut überstanden. Nach zwei Wochen mit Opel Corsa und anderen kleinen Fortbewegungsmitteln bin ich mir im Büro aber beim Fahren des Ford Focus ST wie in einem getunten Lamborghini Aventador vorgekommen.
Zum Hotel: wir wollten nach einer Woche weiter Richtung Syracusa, das haben wir uns aber dann geschenkt. Wir haben bis zum Schluss dort verlängert.
IMG_5836
Die Nacht im Viersternhotel hatte über Booking.com 133 Euro gekostet. Die Verlängerung dann nur 115 Euro pro Nacht. Also wenn ihr geht, direkt buchen und handeln. Wir können das Hotel zu 100 Prozent empfehlen.

Sizilien – das war unser erster, aber bestimmt nicht unser letzter Besuch.
IMG_5759
IMG_5786
IMG_5861

Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+1Share on LinkedIn8Email this to someone

Sizilien Ostküste

Zwischen Messina und Catania, 100 Kilometer mit traumhaften Spots. Im Reisebericht gehen wir auf die Suche nach den schönsten Plätze an der Ostküste Siziliens.

Comments are closed.